Vortrag von Diplom-Geografin Eva Becker
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Ruhe statt Handyempfang Ursprünglichkeit und Landschaft locken Touristen in die Vordereifel Langenfeld/Eifel. Die touristische Leistungsfähigkeit der Vordereifel ist noch längst nicht ausgeschöpft. Dieses Fazit nahm das Publikum nach dem Vortrag zum Thema „Tourismusentwicklung in der Verbandsgemeinde Vordereifel“ von Diplom-Geografin Eva Becker mit auf den Heimweg.
Trotz tropischer Temperaturen hatten sich zahlreiche interessierte Zuhörer im Heide-Club „Haije Steff“ versammelt, um die Ergebnisse der 2008 abgeschlossenen Tourismusstudie kennenzulernen und anschließend zu diskutieren. Auch wenn der Kreis Mayen-Koblenz keine ausgewiesene Ferienregion des Landes Rheinland-Pfalz darstellt, gibt es in der Verbandsgemeinde Vordereifel durchaus touristische Highlights mit einem gewissen Leuchtturmcharakter. Dazu zählen die durch das EU-Life-Projekt wiederhergestellten Bergheiden, die von Kletterern geschätzten Basaltbrüche bei Ettringen, das Wandergebiet rund um das Doppelmaar und dem Eifelturm bei Boos und das mittelalterliche Monreal im Elztal. Wie die Strukturanalyse von Eva Becker deutlich zeigt, variiert die touristische Situation in den einzelnen Ortsgemeinden erheblich. Im Nordwesten der Verbandsgemeinde spielt der „Nürburgring-Effekt“ eine besondere Rolle. Andere Bereiche sind davon weniger betroffen. Die meist kleinen Gastbetriebe sind überwiegend Familienunternehmen oder werden als Nebengewerbe geführt. Viele Übernachtungen in privaten Gästezimmern werden von der Statistik nicht einmal erfasst. Manche Gemeinden haben keinen oder nur sehr geringen Anteil am Fremdenverkehr. Kooperationen mit Busreiseunternehmen sind aufgrund mangelnder Kapazitäten bisher kaum realisierbar. Es sei aber falsch, Tourismus nur für die Ortsgemeinden mit ausgewiesen Fremdenverkehrszahlen als wichtig anzusehen. Viele Geschäfte würden zu oftmals erheblichen Anteilen vom Fremdenverkehr profitieren, auch wenn im Ort selber keine Gäste wären. Um die vorhandenen Potenziale analysieren zu können hat Eva Becker Bürgermeister, Leistungsträger und Tourismusspezialisten mittels aufwändiger Einzelinterviews befragt. Die Auswertung macht deutlich, dass fast alle die einzigartige Natur mit guten Wandermöglichkeiten und Outdoor-Aktivitäten als besondere Stärke der Region nannten, gleichzeitig aber auch Qualitätsmängel, schlechte Infrastruktur und mangelndes Interesse der Bevölkerung am Tourismus reklamierten. Wie Becker treffend formulierte, mangele es nicht so sehr an der „Hardware“, sondern an der unzureichenden „Software“ in Form verbesserter Kommunikation und einem besseren Marketing sowohl nach Innen als auch nach Außen. Die Auswertung zeige deutlich, dass die Bemühungen des Tourismusbüros positive Wirkungen zeige. Sie zeige aber auch, dass diese Leistungen allein nicht das Potenzial ausschöpfen lassen, das sich für die Vordereifel erweisen würde. Deshalb sollten in Zukunft mehr Projekte und Ideen privatwirtschaftlicher Touristiker gefördert werden. Es sei unbedingt wichtig, bedarfsgerechte Produkte und Leistungspakete mit überzeugenden Qualitätsstandards zu entwickeln. Nur dadurch sei die Steigerung der Gästezahlen zu realisieren. Zudem sei es durchaus empfehlenswert, den Tendenzen in der Verkehrs- und Einzelhandelsstruktur antizyklisch ("gegen den allgemeinen Trend") und mit Hinweis auf die Besonderheiden der Osteifel zu begegnen, frei nach dem Motto „Ruhe statt Handyempfang“. Als herausragendes Beispiel für privatwirtschaftliche Initiative und Innovationsbereitschaft lobte Becker die Gastgeber des Abends, die Werbegemeinschaft Wacholderheiden Osteifel (WWO). Sie habe erkannt, dass die Kopplung der Angebote von Dienstleistern und Produktanbietern von „unten nach oben“ (bottom-up-Ansatz) zur Tourismusentwicklung langfristig mehr bewirke als der „Top down-Ansatz“, die Erwartung, dass alles Gute von oben kommen müsse. Insbesondere sei hier erkennbar, dass Regionsdenken das alte Kirchturmdenken bewusst verdrängt. Es gelte, den guten Ansatz auszubauen um damit Impulse für die Neuentwicklung weiterer Kooperationen in der Verbandsgemeinde zu geben. Im Anschluss an die Ausführungen von Eva Becker entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die der Journalist Wolfgang Orians aus Acht professionell moderierte. Die aktuelle Auseinandersetzung um das Erlebnisprojekt Nürburgring, die aus politischen Gründen vernachlässigte Kooperation mit der Stadt Mayen und mögliche Synergieeffekte der benachbarten Gemeinden (z.B. Riedener Stausee, Freibad in Weibern) waren Gegenstand der zahlreichen Wortmeldungen. Zum Abschluss des gelungenen Abends bedankte sich die Werbegemeinschaft bei den Akteuren mit kleinen Präsenten und der Feststellung, dass die Handlungsempfehlungen der Studie ein guter Ansatz für die gemeinsamen Anstrengungen für eine zukunftsorientierte Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Region seien. (us) |